Kontakt

Telefon: (0 61 51) 4 02-31 00

Nephrologie

Diagnose, Differentialdiagnose und Therapie der Blasenentleerungsstörungen

Junge mit Harndrang

Das Einnässen, sowohl am Tage als auch in der Nacht, ist ein häufiges Problem in der kinderärztlichen Praxis. Das Einnässen ist nicht als eigenständiges Krankheitsbild zu sehen, sondern als Symptom vieler verschiedener Erkrankungen. Daher ist es vor Einleitung einer Therapie notwendig, durch eine genaue Anamnese und wenige nichtinvasive Untersuchungen die Ursache des Einnässens abzuklären und dann eine gezielte Therapie der Grunderkrankung durchzuführen.

Neben dem nächtlichen Einnässen im eigentlichen Sinne, der sog. Enuresis nocturna, finden sich häufig funktionelle Blasenstörungen, die mit dem nächtlichen Symptom des Einnässen einhergehen. Der Grund für die Vorstellung beim Kinderarzt sind meist eine Harnwegsinfektion oder nächtliches Einnässen, da gerade dieses störend wirkt und meist für die Eltern belastend ist. Das Einnässen am Tage wird oft nicht bemerkt, als nicht so gravierend empfunden oder auch bewußt verschwiegen, da es für die Eltern peinlich ist ein älteres Kind zu haben, das noch einnäßt. Dies muß der Kinderarzt bei der Anamneseerhebung wissen und gezielt bei Eltern und Patienten danach fragen. Bei der körperlichen Untersuchung ist besonders auf folgende Punkte zu achten: Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, Naevi, Porus, vermehrte Behaarung, die mit einer Spina bifida occulta oder einem thetered-cord Syndrom einhergehen können, Länge- und Umfangsdifferenzen der unteren Extremitäten bei neurologischen Auffälligkeiten, sowie Lokalbefunde im Genitalbereich wie Phimose, Hypospadie, Meatusstenose, Labiensynechie, akute und chronische perigenitale Dermatitis. Neben der körperlichen Untersuchung, die immer die Inspektion des Genitales einbeziehen muß, sind die Urinuntersuchung und die Sonographie obligat. Beim Ultraschall muß neben den Nieren die Blase ausführlich untersucht werden. Hierbei müssen das Blasenvolumen, die Blasenwanddicke und der Restharn bestimmt werden. Die Uroflowmetrie ist ein weiterer diagnostischer Baustein. Sie hilft den in der Anamnese erfragten Miktionsablauf zu objektivieren und erlaubt Auskünfte über Miktionsvolumina, zeitlichen Ablauf der Miktion, Stärke des Harnstrahles, Unterbrechungen der Miktion, Nachmiktionen. Eine Miktionscysturethrographie sollte bei fieberhaften Hamwegsinfektionen sowie bei Auffälligkeiten bei der Sonographie, die einer weiteren Klärung bedürfen, durchgeführt werden. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist eine Blasendruckmessung notwendig. Sie sollte nur von einem im Umgang mit Kindern erfahrenen Untersucher und in kindgerechter Umgebung vorgenommen werden, da die Untersuchungsergebnisse sonst nicht interpretierbar sind.

Während die isolierte Enuresis nocturna gut mit einem Klingelapparat oder mit DDAVP-Spray therapiert werden kann, sind diese Therapieformen bei einer funktionellen Blasenstörung unwirksam. Hier ist der Einsatz eines individuellen Blasentrainings mit Biofeed-back Methoden sinnvoll.

Weitere Ursachen für das Symptom Einnässen können organische Erkrankungen, neurologische Erkrankungen, Uropathien oder psychische Erkrankungen sein.

Dem Einnässen liegen oft funktionelle Blasenstörungen zugrunde. Durch eine genaue Anamnese und einfache klinische Untersuchungsverfahren kann in den meisten Fällen zwischen den verschiedenen Blasenkontrollstörungen unterschieden werden. Gleichzeitig haben sich die therapeutischen Möglichkeiten durch die Entwicklung eines auf die einzelnen Blasenkontrollstörungen abgestimmtes Blasentraining zusammen mit Biofeed-back Methoden entscheidend verbessert.

Um eine gezielte Therapie einleiten zu können, muß der Kinderarzt zwischen den einzelnen Blasenkontrollstörungen differenzieren können. Dazu ist eine ausführliche und gezielte Anamnese notwendig, die sowohl bei den Eltern als auch bei dem Patienten erhoben werden muß. Oft sind die wohlgemeinten Angaben der Eltern irreführend, da sie meist ein Gemisch aus Beobachtung und gleichzeitige Interpretation darstellen.

Wichtig ist auch daran zu denken, daß rezidvierende Harnwegsinfektionen eine Blasenkontrollstörung zugrunde liegen kann, beziehungsweise deren Ausheilen verhindern kann.

Dokumente zum Download


Startseite Inhalt (Sitemap) Kontakt Datenschutz Impressum